| Geschichte (allgemein) |
| Als Begleiter und Helfer
wurden seit Beginn der Schaf- und Viehzucht ab dem 18. Jahrhundert in Europa
unterschiedliche Arten von Hunden (die treuen und gebrauchstüchtigen
Schäferhunde (Hütehunde), aber auch die Treib-/ Hirten-, Herdengebrauchs-
und Herdenschutzhunde) für das Zusammenhalten, Treiben und Bewachen
der Herden eingesetzt. Mußten die Herden vor Raubwild wie z.B. Wölfen,
Luchsen oder gar Bären oder Dieben verteidigt werden, waren die Hunde
groß und stark. Diese Herdenschutzhunde hüteten nicht auf Befehl
des Schäfers, sie wanderten nur zuverlässig wachend mit der Herde
mit. Häufig anzutreffen waren die robusten schlappohringen Vierbeiner
von mittlerem Typ, die s.g. lautstarken, temperamentvollen "Hirtenhunde"
- "Treibhunde" mit zottigem Haarkleid, welches sie gut gegen alle Unbill
der Witterung schützte, z.B. der Bearded Colli, Puli oder Pon. Sie
trieben die Herde selbständig laut kläffend quer über Stock
und Stein zum Schäfer zurück. Die eingesetzten Hüte- bzw.
Schäferhunde waren keine lauten, fröhlichen Treiber, oder Hunde
die sich mit Wölfen oder Bären anlegten (da sie viel zu feingliedrig
und zu vorsichtig waren), sondern still arbeitende Hunde (mit Abducken
und Anstarren), die eine Herde nicht als vertrautes Rudel, sondern ein
jedes einzelne Schaf als potentielle Jagdbeute ansahen, welches sie unermüdlich
gehetzt hätten, wenn sie keine Ausbildung genossen hätten. Da
diese Schäferhunde sehr lernbereit waren und aufs Wort gehorchen konnten,
brachten die Hirten ihnen bei, die Schafe nur auf Befehl ohne sie zu verletzen
vorsichtig in eine gewünschte Richtung zu jagen. Da ein Schäferhund
nie mit einer Herde allein gelassen werden durfte und er die Herde nicht
"behütet" hätte, wird HEUTE nicht mehr vom Hütehund gesprochen,
sondern die Bezeichnung Schäferhund verwendet. Als die Welt für
das freie Schäferleben zu eng wurde und die Wiesen zu Ackerland und
Privatbesitz wurden, es auch keine großen Beutegreifer, Wölfe
und Bären mehr gab, waren diese Hunde besser zu gebrauchen, als die
bis dahin üblich eingesetzten selbständig arbeitenden, aber auch
dickköpfigen Schlappohrhunde (Hirten- u. Treibhunde), die dann nach
und nach von diesen führigen Stehohrhunden (Schäferhunde) ersetzt
wurden, die lautlos und zielsicher ihre Arbeit machten und sich gegenüber
den Schafen unmissverständlich durchsetzten konnte. Durch ihre temperamentvolle
Art waren sie den ganzen Tag um die Herde kreisend in Bewegung. |
| Woher, ob, wie und wann
diese leichtfüßigen führigen Stehohrhunde nach Europa kamen,
ist bis heute nicht nachvollziehbar. Die alten Schafzüchterkulturen
am östlichen Mittelmeer kannten solche Hunde schon vor 3000 bis 5000
Jahren. Aber die bis jetzt ältesten schäferhundartigen Hunde
fand man in Amerika. In Nord- und Südamerika grub man sogar Skelette
von diesem Typ aus, die 7000 bis 9000 Jahre, unter vielleicht auch schon
wesentlich älter sind. |
| Während der Bronzezeit
(vor 3000 bis 5000 Jahren) waren sie in Südosteuropa zu
finden und seit gut 200 Jahren sind sie auch im Nordwesten mehr
und mehr üblich geworden. |
| Die Indianer im vorkolumbianischen
Amerika hatten schon solche Hunde, die sie nicht erst von den Europäern
übernahmen. Sie hatten als Rassetypen die kleinen "Terrierartigen"
und die großen "Schäferhundartigen" die es von Kanada bis hinab
nach Feuerland in den unterschiedlichsten Regional-Rassen gab. Sie waren
schlank, ca. 50 - 70 cm groß und trugen keine Hängeohren, sondern
große spitzen Stehohren mit langen schmalen Schnauzen. Diese Hunde
halfen bei der Jagt mit, schleppten Ausrüstungen, Beute und Vorräte.
Sie verteidigten Hab und Gut gegen andere vierbeinige Räuber, spielten
die Rolle der ständig im Einsatz befindlichen Müllabfuhr im Lager.
Sie wärmten und unterhielten die Indianer mit Kindern in den langen,
kalten Winternächten. So waren sie also überaus gebrauchstüchtig
und vielseitig einsetzbar, denn die Indianer lebten von und mit ihnen.
Diese Schäferhunde wurden nicht gezüchtet, da sie frei lebten
und sich auch frei vermehrten. Folgende Wesensmerkmale verlangten die Indianer
von ihren Hunden: Menschen- und Gruppenfreundlichkeit, Aufmerksam- und
Wachsamkeit, ausdauernd und bewegungsfreudig, auch anhänglich und
anpassungsfähig; gelehrig von hoher Intelligenz. |
| So mussten also damals
die üblichen Indianer-Hunde schon all jene Charaktereigenschaften
mitbringen, die HEUTE bei uns einen guten Schäferhund ausmachen. |
| Geschichte (speziell auf Belgien bezogen) |
| Ende des 19. Jahrhunderts
wurden in Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Ungarn usw.
riesige Schafherden von Hirten mit Ihren Hunden betreut. Je nach Region
und Land entstanden unterschiedliche Typen von Schäfer- und Hirtenhunden:
Aus diesen Vorgängern entstand in Deutschland der "Deutsche Schäferhund",
in Frankreich der "Briard, Picard, Beauceron" und nahe der spanischen Grenze
die Pyrenäenhunde, in Italien der Maremmano, in Ungarn der Puli, Kuvasz
usw. |
Die
belgischen Schafhirten hielten sich Ende des 19. Jahrhunderts eher
kleinere (50 - 55 cm), leichtere (bis 20 kg), futteranspruchslose Schäferhunde
(=Hütehunde), die sich wachsam, temperamentvoll und unermüdlich
in ständigen Bewegungen um die Herden kreisend zeigten. Sie trieben
das Vieh zu den Weidegründen und am Abend von dort wieder zurück
in die Ställe. Auf das Aussehen der Hunde wurde wenig Wert gelegt,
aber auf die Gebrauchstüchtigkeit und guten Arbeitseinsatz bei möglichst
geringen Nahrungskosten. Durch die ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft
waren sie zudem noch bestens geeignete Bewacher von Haus, Hof , Herrn und
Familie.
Den Hirten oder Herrn durch den starke Bindungsaufbau
treu ergeben, waren sie Fremden gegenüber misstrauisch und zurückhaltend.
Diese Hirtenhunde ähnelten in ihrer Kopfform den Windhunden und Wölfen,
der etwas zugepitzte Fang war aber weniger stark ausgeprägt und die
Ohren waren klein und dreieckig, hoch angesetzt und leicht nach vorne getragen.
Die Augen waren dunkel, leicht mandelförmig, der Ausdruck lebhaft,
klug, sowie aufmerksam und wachsam, mit voller Konzentration auf den Herrn.
Der Körper war quadratisch, der Knochenbau leicht und das Gangwerk
tänzelnd. |
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